Geschichte

 Das Wappen der Schmiede

 

wappen gr

 

 

Hufschmiede-Museum mit Zwangsstall

 

 schmiede neu gr

 

 

Frehrking‘sche Schmiede

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Anzeige in der Leine-Zeitung

vom 22. März 1930

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Schmiede um 1911

mit Wilhelm Frehrking, dem kleinen Heinrich und einem Gesellen!

 

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In der Museumsscheune:

Arbeit am Spinnrad

 

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Maschinenantrieb durch Pferdekraft: Göpel in Aktion

(an der Ausstellungshalle)

 

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Die Geschichte der Schmiede

 

Wilhelm Frehrking, geboren am 13. Dezember 1865, kehrte nach dem Militärdienst – er diente im Drei-Kaiser-Jahr 1888/89 – nach Helstorf zurück, heiratete Anna Gödecke und gründete seine eigene Schmiede. Eine seiner ersten Arbeiten führte er 1889 an der Kirchhofeinfriedung der Helstorfer Kirche durch. Im Jahre 1889 kaufte Frehrking die Mohrhoff’sche Stelle Nr. 18. Schnell gewann Frehrking die Landwirte Helstorfs und der Umgebung als Kunden für das Hufschmieden und Aufziehen von Eisenreifen. Der im November 1890 geborene Sohn Wilhelm jun. lernte bis zur Gesellenprüfung im väterlichen Betrieb, war ab 1910 zwei Jahre im "Hann. Train Bataillon 10, I. Eskadron" , bestand die Hufbeschlagprüfung und kam im Oktober nach Helstorf zurück. Er meldete sich als Kriegsfreiwilliger und wurde als Hufbeschlagschmied eingezogen. Zu Weihnachten 1918 entlassen, übernahm er im Jahre 1919 den Betrieb und bestand im Jahre 1922 die Meisterprüfung. Neben der Schmiede hat Wilhelm Frehrking sen. seine Landwirtschaft betrieben. Er starb am 5. April 1957.

 

Die Schmiede und ihre Nebengebäude schmücken heute die Stadt Neustadt als Hufschmiede-Museum. Der Heimatverein hat das Gebäude wiederhergestellt und die im Innern fast vollständig erhaltene Schmiede als Museum geöffnet. In der Schmiede befinden sich die Esse, der handbetriebene Blasebalg (auch ein elektrischer Blasebalg), Gerätschaften zum Reifenbiegen und der „Eiserne Heinrich“, ein per Fuß betriebener Hammer, der dem Schmied beide Hände freihält. In der Kammer im Anbau wurden große Reifen erhitzt, damit sie sich ausdehnen. Neben dem Gebäude steht der Zwangsstall für zu unruhige Pferde, das Wasserbecken zum Abkühlen und Härten der heißen Reifen.

 

Ein Glücksfall sind die 70 erhaltenen „Anschreibebücher“ (Tagebücher, Kundenbücher und Kontobücher) der Frehrkings, die die gesamte Zeit der Hufschmiede von 1890 bis 1965 abdecken. Bei diesen Geschäftsbüchern („Schmiedebüchern“) handelt es sich um Tagebücher – Tag für Tag wurden von den Frehrkings die Arbeiten, Beträge und Namen der Kunden notiert.

Kundenbücher – sind nach Kunden sortiert, bei jedem Kunden werden chronologisch die ausgeführten Arbeiten und Beträge notiert.

Kontobücher – hier stehen links die Einnahmen und rechts die Ausgaben.

 

Die Schmiedebücher zeigen die Herkunft von Frehrkings Kunden und die Vielfalt seiner Arbeiten. Die Pferdebesitzer schätzten Frehrkings fachkundigen Umgang mit den Tieren. Die Pferde wurden aus einem weiten Umkreis zum Hufbeschlag in Helstorf gebracht – aus Schwarmstedt, Hope, Ibsingen, Mandelsloh, Welze, Büren, Evensen, Averhoy, Vesbeck, Esperke usw.

Und es gab viel Arbeit für die bis zu vier Gesellen: „Hufbeschlag nur vormittags“ war an das Scheunentor geschrieben worden, um alle Arbeiten zu schaffen. Der große Andrang ließ Zeitgenossen von 15, gar 30 Pferden pro Tag erzählen, aber diese Zahlen sind zu hoch gegriffen.

 

„Morgens war die erste Arbeit das Vorbereiten der Reifen, die später aufgezogen werden sollten. Wenn die Lehrlinge morgens um halb sechs aufstanden und die Reifen aufbanden, waren schon 15 Reifen im Glutofen vorbereitet, das ging wie am Schnürchen“, berichtete Walter Wegener – er begann 1944 seine Lehre bei Frehrkings. Neue Reifen wurden selbst gebogen.

Frehrkings kannten sich nicht nur aus mit Anatomie, Verhalten, Fehlbildungen und vielfältigen Krankheiten der Pferde und richteten sich danach beim Hufbeschlag und Behandeln der Tiere. Sie beherrschten auch die enorme Vielzahl mechanischer Arbeitsgeräte und Maschinen, die Typenvielfalt jedes einzelnen Gerätes, der Fahrräder und Zubehörteile, der neuen Herausforderungen durch Automobile und Trecker, mit Blitzableitern, in der Bau- und Kunstschlosserei.

 

Frehrking holte in schwierigen Zeiten wie dem Zweiten Weltkrieg und den ersten Nachkriegsjahren Material aus Hannover, denn er konnte mit Büchsenwurst „bezahlen“.

 

Seit den dreißiger Jahren führte Frehrking den Schriftzug „Schmiedemeister - Hufbeschlag - Wagenbau - Landw. Geräte“ in Stempel und Briefkopf. Damit wurde Aufgeschlossenheit für das Neue signalisiert, denn Wilhelm Frehrking jun. schmiedete auch größere Pläne, um mit der Zeit zu gehen. Eine Wagenhalle sollte hinter der Schmiede entstehen und die Schmiede auf den Hufbeschlag beschränkt werden, als es immer mehr Gummiwagen gab.

 

Doch aus diesem Plan wurde nichts. Mit Wilhelm Frehrkings Tod (26. Februar) im Jahre 1965 wurde die Schmiede geschlossen. Sie stand 23 Jahre leer, aber glücklicherweise wurde sie nicht ganz „entrümpelt“, sodass der Heimatverein Helstorf heute ein behutsam restauriertes denkmalgeschütztes Gebäude mit altem, aber funktionsfähigem Inventar präsentieren kann. Im Jahre 1989 fand wieder der erste Hufbeschlag statt. Walter Wegener und ein junger Kollege stellten sich zur Verfügung, um in den ersten Jahren an den öffentlichen Schmiedesonntagen des Hufschmiede-Museums den Hufbeschlag vorzuführen.

 

Die Geschichte der Frehrking’schen Schmiede beleuchtet auch den technischen Wandel vom Pferd zur immer komplexeren Maschine. Pferde wurden zum Transport von Material, Düngen, Pflügen und Bearbeiten der Felder und zur Ernte eingesetzt und auch zum Antrieb von Maschinen wie dem Göpel.

 

Die Museumsscheune

                         

mit fünf alten Webstühlen und Spinnrädern, an denen regelmäßig gearbeitet wird,

die Sonderausstellung „Vom Flachs zum Leinen", die alte Helstorfer Kirchturmuhr mit Ziffernblatt,

eine vollständig eingerichtete alte Bauernküche, eine komplette Schusterwerkstatt, eine alte Malerwerkstatt, eine Uhrmacherwerkstatt, sowie ein 1996 aus der Leine geborgener Einbaum.

Der Einbaum ist wahrscheinlich Teil einer mittelalterlichen Fähre. In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege und dem Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven wurde das Relikt vergangener Zeit zunächst für rund zweieinhalb Jahre in einem Konservierungsbad gelagert bis der Einbaum der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Zur Erläuterung steht neben dem Einbaum das Modell einer mittelalterlichen Fähre.

 

Die Ausstellungshalle

 

mit großem Außenbereich und alten landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen u. a. Dreschmaschinen, Kutsche, Schlitten, Pflüge, Eggen, Walzen und ein restaurierter Göpel.

 

 

Quellen: Stefan Weigang, Die Anschreibebücher der Frehrking‘schen Schmiede in Helstorf, 2009

Heimat- und Museumsverein Helstorf